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Dieser Beitrag ist als Werbung gekennzeichnet, da ich den Roman im Rahmen der Hello Sunshine Sommeraktion 2018 von Blanvalet vorablesen durfte. Dies beeinflusst jedoch nicht meine ehrliche Meinung.

Savannah 1995: Jennifer Wyatt kehrt nach ihrem Collegeabschluss in ihr Elternhaus die Casa D’Or zurück, eine prächtige Südstaatenplantage. Casa D’Or befindet sich seit Generationen im Familienbesitz. Ein verheißungsvoller Sommer liegt vor ihr, in dem sie endlich herausfinden möchte, welchen beruflichen Weg sie einschlagen will. Wird sie ihrem Freund Connor nach New York folgen, ihre Eltern damit zufriedenstellen und ein Leben in der Upper Class führen, woran sie jedoch kein Interesse mehr hat? Doch als sie den gutaussehenden Nachbarn Jim Johnson kennenlernt, der den Sommer mit seiner Familie im Bootshaus auf der anderen Seite des Sees verbringt, beginnt sie allmählich ihre Konventionen über den Haufen zu werfen. Jim hilft ihr, die eigenen Stärken zu entdecken. Das schmeckt jedoch weder ihrer Mutter Sylvia, die eine ganze andere Rolle für ihre Tochter vorgesehen hat, noch ihrem Freund Connor, angehender Investmentbanker, der in New York Ruhm und Reichtum hinterherjagt. Das Jim als Sprössling eines englischen Autors nicht viel zu bieten hat und trotzdem versucht Jennifers Herz zu erobern, passt so gar nicht in die heile Südstaatenidylle.
Am Ende steht Jennifer vor den Trümmern ihrer eigenen Existenz und kehrt Casa D’Or für immer den Rücken.

Schottland 2015: Der inzwischen erfolgreiche Hotelinvestor Jim Johnson erhält den Auftrag als nächstes Objekt eine Südstaatenplantage à la „Vom Winde verweht“ zu suchen. Ihm fällt sofort die Casa D’Or ein. Doch mit dem Auftrag kehren die Erinnerungen zurück. Erinnerungen an die große Liebe seines Lebens, die er nie vergessen konnte und an den schönsten und schlimmsten Sommer seines Lebens.

Das Haus am Sunset Lake von Tasmina Perry

Die Leute behaupten, sie wären gefangen, aber im Allgemeinen bauen wir uns unsere Käfige selbst. Manchmal muss man nur wissen, wann man Nein und wann man Ja sagen muss“.
Tasmina Perry – Das Haus am Sunset Lake // S. 251

Der Roman ist ein richtiger Sommerlesegenuss. Die Beschreibung der Kulisse ist derart lebendig, dass man den Eindruck hat, man selbst würde den Sommer in Savannah verbringen, die Alleen entlang schreiten und die flirrende Hitze spüren. Savannah ist eine Stadt mit Charme und Geschichte, genau wie die Casa D’Or, die im Roman eine wesentliche Rolle spielt. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt. Segen und zugleich ein Fluch.

Die Geschichte gliedert sich in zwei Erzählstränge, Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich ab – wobei die Vergangenheit mit Jennifers Augen betrachtet und die Gegenwart aus Jim Perspektive erzählt wird. Tasmina Perry versteht es langsam eine Spannung in beiden Handlungsebenen aufzubauen, bis zum unvermeidlichen Ende. Man sehnt und fürchtet es zugleich. Doch am Ende kommt die Wahrheit ans Licht und schlägt mit voller Wucht zu.

Wer eine Liebesgeschichte mit Dynamik und Atmosphäre sucht, wird hier fündig. Eine Geschichte, die sehr gut in den Sommer passt und vielmehr birgt als eine simple Liebesgeschichte. Ein Roman, wie ein erfrischender Cocktail in der flirrenden Hitze, süss und bitter zugleich.

sanja

 

 

 

Tasmina Perry - Das Haus am Sunset Lake // Verlag: Blanvalet // EVT: 16.07.2018 // 
416 Seiten // ISBN: 978-3-7341-0506-7 // 9,99 € // Originaltitel: The House on Sunset Lake

Mark und Karen lernen sich erst spät kennen. Mark arbeitet in der Finanzbranche und verdient gut, sodass Karen sich schließlich für eine Ehe mit ihm entscheidet.  Den Gedanken, dass sie es nur wegen ihrer tickenden Uhr macht, verdrängt sie lieber. Als Karen eines Tages schwanger wird, scheint das Glück perfekt. Sie hört auf zu arbeiten und begibt sich in eine völlige isolierte Mutterrolle: sie ist nur noch für die bildschöne Tochter Heather da. Mark spielt von nun an nur noch die zweite Geige, begnügt sich jedoch damit.

Als Heather älter wird und sich langsam von der Mutter löst, tauchen die ersten Risse in der sonst nach außen so heilen kleinen Familie auf. Es entsteht ein Konkurrenzkampf unter den Eltern und um die Liebe und Aufmerksamkeit der Tochter. Karen rutscht darin immer weiter ab. Außer der Lieben und Fürsorge zu ihrer Tochter, hat sie nichts im Leben.

Parallel wird  die Geschichte von Bobby Klasky erzählt, der in völliger Verwahrlosung bei seiner drogensüchtigen Mutter aufwächst. Bereits im Alter von zehn Jahren, kann er der Mutter and deren Freunde die Spritze aufziehen und den nächsten Schuss setzen, wenn diese nicht mehr dazu in der Lage waren. Nur schwer kann er sich aus diesem Sumpf befreien. Sein Leben scheint vorprogrammiert und so landet Bobby wegen Körperverletzung im Knast. Nach seiner Entlassung findet er einen Job als Bauarbeiter in New York City und wird ausgerechnet in dem Haus angeheuert, in dem Heather mit ihren Eltern wohnt.

Als sich die Wege der beiden kreuzen, scheint die Katastrophe unausweichlich
Dieses kurze und knappe Buch hat fast alles, was eine gute Geschichte ausmacht. Weiner, ein in den USA sehr erfolgreicher Drehbuchautor und Produzent u.a. für The Sopranos und Mad Men, versteht es, auf nur 130 Seiten eine Geschichte zu erzählen, die so pointiert ist, dass man es kaum glauben mag. Man fragt sich, wieso zum Teufel andere Autoren so viel mehr Text verfassen, ohne auch nur mehr zu sagen. 

Die Geschichte handelt im Prinzip nur von vier Personen. Auf er einen Seite das Dreiecks-Konglomerat Mark, Karen und Heather und auf der anderen Seite – völlig konträr – Bobby, der die Familie an den Rande des Abgrunds treibt. Weder Karen noch Mark sind glücklich in ihrer Beziehung zueinander. Sie leben isoliert und allein für ihre Tochter.

Die ganze Katastrophe ist ein einziges absurdes Gedankenspiel, dass weder Bobby noch Mark eine ruhige Minute gönnt. Bobby versinkt geradezu in seinen gewaltverherrlichenden Fantasien:

Bobby würde Heather besitzen, jedes Teil von ihr; sie beide würden in ihm eins werden, und er wäre der Anfang und das Ende von allem.
Matthew Weiner // Alles über Heather // S. 81

Als Mark Bobby das erste Mal bemerkt, dreht seine Welt auf den Kopf:

Es war ein untersetzter Kerl mit Lederschurz, und sein Blick war so lüstern, so intensiv, dass Mark über die Fahrbahn rannte und Heather beiseiteschubste, als müsse er sich zwischen sie und ein heranfahrendes Auto werfen.
Matthew Weiner // Alles über Heather // S. 87

Von nun an setzt Mark alles daran, seine Tochter zu beschützen. Nachts kann er nicht mehr schlafen, doch seine Frau lacht ihn einfach nur aus und erklärt ihn für verrückt. Karen ist mittlerweile viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Nachdem sie sich jahrelang für Heather aufgeopfert hat, fängt sie wieder an, für sich selbst zu sorgen. Sie sucht sich einen Job und eine neue Aufgabe. Da ist für den verrückten Mark kein Platz mehr.

Eines ist jedoch sicher: Keiner, weder Mark noch Bobby, würde aufgeben. Sie würden beide das Einzige verteidigenden was ihnen im Leben wichtig ist: Heather.

Matthew Weiner - Alles über HeatherEine Buch, das eher in leisen Tönen, aber dafür umso intensiver daherkommt. Es klingt nach, bleibt im Gedächtnis haften und gräbt sich fest. Obwohl ich zunächst nicht sicher war, was ich überhaupt davon halten soll, komme ich nicht umhin Weiner meine Bewunderung für diesen Effekt zu zollen. Eine Geschichte, die lange nachhallt, hat doch eigentlich alles erreicht, oder?

 

Matthew Weiner - Alles über Heather // Verlag: Rowohlt Hundert Augen // EVT: 07.11.2017 // 
137 Seiten // ISBN: 978-3-498-09463-8 // 16,00 € // Originaltitel: Heather, The Totality

sanja

Gil Ribeiro – Lost in Fuseta
Kiepenheuer & Witsch
389 Seiten
ISBN: 978-3-462-04887-2
14,99 €

Zum Autor:
Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt, wurde im Jahre 1965 geboren und lernte Portugal während einer Interrail-Reise kennen. Seitdem ist er oft dorthin zurückgekehrt.
In Deutschland ist er unter seinem richtigen Namen als Drehbuchautor bekannt und hat schon etliche Preise erhalten, u.a. den Adolf-Grimme-Preis für das Drehbuch zu „Mörder auf Amrum“. Er lebt und arbeitet in Baden-Würtemberg.

Worum geht es?
Leander Lost, Kriminalkommissar aus Hamburg nimmt an einem Austauschprogramm von Europol teil, bei dem die besten Ermittler eines Landes getauscht werden, um die Ermittlungsarbeit grenzüberschreitend zu fördern.  Es verschlägt ihn nach Fuseta, an die Algarve. Doch die Kollegen, Sub-Inspektorin Graciana Rosado und Sub-Inspektor Carlos Esteves sind zunächst skeptisch. Der Alemão erscheint ihnen mehr als merkwürdig, in seinem schwarzen Anzug, der sie an einen Bestatter denken lässt und sein durchdringender Blick weckt Misstrauen. Was ist sein Geheimnis? Als Lost dann auch noch das Team verpfeift, scheint die ganze Transaktion schon gescheitert zu sein, bevor sie richtig begann. Doch Leander Lost erhält Zuspruch von ungewohnter Seite: Soraia, die Schwester von Graciana hat ihn durchschaut und setzt sich für ihn ein, denn Leander Lost ist Autist und zudem ein Savant mit einem fotografischen Gedächtnis.

Meine Meinung:
Als uns das Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2016 vorgestellt wurde, war sofort  mein Interesse geweckt. Ich finde das Thema Autismus sehr interesant, seit ich das Buch Buntschatten und Fledermäuse (Rezi) gelesen habe. Wie baut man dies nun in einen Kriminalroman ein? Wie verhält sich der Protagonist in bestimmten Situationen? Ist dies glaubwürdig? Ich kann nur sagen: Ja, mir hat es sehr gut gefallen. Ich wurde bestens unterhalten, es gab den ein oder anderen Lacher aufgrund der Situationen und der Kriminalfall an sich, rüttelt sogar noch etwas am Weltbild und regt zum Nachdenken an!
Zwar gab es auch einige Stellen, bei denen mir die Handlung zu konstruiert erschien, aber alles in allem, ist es ein solider Krimi, der sich durchaus mit anderen messen lassen kann.

Die Kulisse in Portugal, die Einwohner und ihre Eigenheiten sowie das grandiose Wetter und die Meernähe wurden einfach wundervoll wiedergegeben, sodass man direkt Lust hat, den nächsten Urlaub zu buchen. Portugal steht sowieso auf meiner Liste der nächsten Urlaube weit oben. Auch das Cover wirkt, als könnte man einfach in die Kulisse eintauchen.

Leander Lost bleiben viele menschliche Züge fremd. Er versteht keinen Sarkasmus, kann Gefühle nicht richtig deuten und er kann nicht lügen. Genau das letzte Defizit wird zu einem echten Problem. Doch nach einem holprigen Anfang, der fast das Ende des Austauschprogramms bedeutet hätte, steht sein Team hinter ihm und beginnt seine Begabung – das fotografische Gedächtnis – für die Ermittlungen zu nutzen.

Der ersten Leiche folgen natürlich weitere und das Team wird immer tiefer in diesen Fall hineingezogen. es gibt neue Fakten, doch die kann ein spanischer Kollege, der den Fall nach einem Fauxpas übernimmt, nicht teilen. Ist er vielleicht darin verwickelt?

Graciana, Carlos und Lost nehmen die Witterung auf und decken damit nicht nur einen handfesten Skandal auf, sondern lösen gleichzeitig noch einen alten Mordfall.

Symphatisch war mir auch die junge Zara: Teenager und Vollwaise – sie mischt das Ermittlertrio ordentlich auf. Das sich am Ende ausgerechnet die beiden Außenseiter zusammenraufen, war zwar abzusehen, ich hoffe aber trotzdem, dass sie in weiteren Bänden wieder auftauchen wird.

Fazit:
Die Romanfigur Leander Lost bietet reichlich Facetten und bleibt trotzdem unergründlich. Er bringt frischen Wind in die Kriminalwelt, die manches Mal ausgelutscht wirkt. Gil Ribeiro ist mit dem liebenswerten Kommissar Leander Lost ein wahrer Treffer geglückt. Oft wirkt er schräg, doch dann wartet er mit tiefgründigen Aussagen auf und überrascht sowohl seine Kollegen als auch den Leser.

sanja