Das Buch: Der Feind in meinem Regal… oder doch nicht?

Ein Vierteljahr Pause habe ich mir gegönnt. Obwohl gegönnt ist untertrieben. Doch lest selbst, wie es mir in den vergangenen Wochen wiederfahren ist:

Nein, ich lebe noch. Aber ich musste die Notbremse ziehen. Irgendwie schien mir alles zu entgleiten. Das Lesen, mein Leben, alles. Von heute auf Morgen habe ich mich einmal um mich selbst gedreht, die Würfel neu geschüttelt und probiert, was da heraus kam. Ich habe meinem Leben eine neue Richtung gegeben, mehr Sport getrieben, Freude am Kochen entwickelt. All das hat Spaß gemacht und mein Leben so ausgefüllt, dass gar keine Zeit mehr für ein gutes Buch war.

Ein weiterer Punkt war, dass ich das Gefühl hatte, all die Zeit, die ich in den Aufbau und die Artikel dieses Blogs gesteckt hatte, waren Zeitverschwendung. Es gab keinen festen Leserkreis und wenn sich einmal einer hierher verirrt hatte, war das wohl eher dem Zufall zu verdanken, als meinem Können. Ja klar, ich habe nicht soviel Zeit, wie manch Anderer, der einen Bücherblog führt. Ich habe eine (kleine) Familie, eine Arbeitsstelle, die auch schon mal die ein oder andere Überstunde abverlangt, einen Nebenjob, und jetzt auch noch den Sport, den ich ausübe. Das ist alles sehr Zeitintensiv und selbst in meinen besten Zeiten komme ich nicht über 6 Bücher im Monat hinaus. Aber muss es das? Ersetzt Quantität die Qualität?

Im Dezember und Januar habe ich kein einziges Buch in die Hand genommen. Im Februar habe ich ein altes Jugendbuch erneut gelesen, dass ich im meinem Leben mindestens schon 17 mal gelesen habe. Das Buch heißt “Donnergrollen, hör mein Schreien” von Mildred D. Taylor. Es war ein verkrampftes Lesen. Ich konnte mich nicht wirklich auf das Buch einlassen, habe es aber bis zum Ende gelesen. Dann? Der Nachfolgeband: “Lasst den Kreis geschlossen”. Den habe ich immerhin bis zur Hälfte geschafft. Das dauerte so ca. bis Ende Februar. Danach wieder… Nichts.

Ich stand vor meinem Bücherregal und empfand unendliche Traurigkeit. Ich konnte mit all den angesammelten Schätzen nichts mehr anfangen. Was war nur mit mir passiert? Gut, alle paar Monate hatte ich immer so für ca. 2-3 Wochen das Gefühl ein wenig Abstand vom Lesen haben zu müssen, doch so lange hat es noch nie gedauert. Vorher habe ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder ein Buch in die Hand genommen und gestreichelt. Doch jetzt hatte ich den Eindruck, dass mich all diese Bücher im Wohnzimmer einengten. Ich verbrachte immer mehr Zeit in der Küche, habe gekocht und die Küche geputzt, nur um meine Zeit nicht im Wohnzimmer verbingen zu müssen. Konnte das sein? Konnten sich meine Bücher derart gegen mich wenden? Ich war verwirrt und wußte doch keinen Ausweg. Immerhin hatte ich es schon mit einem alten Jugendbuch probiert. Mich langsam wieder an das Lesen heranzuwagen. Doch es funktionierte nicht.

Hinzu kam, dass ich bereits 2 Mal meine Mädels vom Bücherclub versetzt hatte. Beim ersten Mal hatte ich das Buch nicht gelesen. Das war ja auch kein Wunder, denn ich hatte eigentlich garnicht  nicht gelesen. Beim zweiten Mal, es war mittlerweile Mitte März, hatte ich das Buch auch nicht gelesen, es aber zumindest vorgehabt und auch das erste Kapitel hinter mich gebracht. Weiter ging es nicht. Ich sagte wieder ab und nahm mir vor, das neue Buch für April direkt zu kaufen und frühzeitig damit zu beginnen.

Und was soll ich sagen? Es hat mich gerettet. Ausschlaggebend waren letztendlich zwar viele kleine Faktoren, die sich zu einem großen Ganzen zusammenfanden, aber es hat funktioniert. Ich habe vor, das Buch heute zu beenden. Ich habe heute frei und noch etwas mehr als 150 Seiten vor mir.

Dann gab es noch den zweiten Punkt, der an mir nagte. Sollte ich es wagen zurückzukehren? Hierher? Soll ich weiter über mich und mein liebstes Hobby berichten, obwohl ich selbst Zweifel daran hatte? Die Antwort ist denkbar einfach: Warum nicht? Wen es nicht interessiert, der schaut nicht rein. Aber vielleicht gibt es doch den Ein- oder Anderen, der schon einmal Ähnliches erlebt hat.

Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Letztendlich habe ich begriffen, dass es nicht darauf ankommt, was Andere von mir denken. Nur ich selbst muss mir Rede und Antwort stehen. Und wenn es mir doch irgendwo Spaß macht, regelmäßig zu schreiben, dann sollte ich es tun. Und zwar nach meinen eigenen Regeln.

Doch nun weiter im Text. Was ist das für ein Buch, dass eine derartige Kraft besitzt, sich regelrecht an mich klammert, um mich zu befreien? Wer mir auf Twitter folgt und mich auf Goodreads als Freund geadded hat, der weiß inzwischen, was ich in den letzten Tagen gelesen habe. Alle anderen erfahren es, wenn ich meine Rezension geschrieben habe. Spätestens übermorgen. Und dann wieder regelmäßig hier an dieser Stelle. Versprochen!

Alles liebe, Eure sanja

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