[Rezension]: T.C. Boyle – América

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T.C. Boyle – América
dtv
400 Seiten
ISBN: 978-3-423-20935-9
8,95 €

Zum Autor:
Tom Coraghessan Boyle wurde als Thomas John Boyle am 02.12.1948 in Peekskill, NY geboren. Den Namen Coraghessan gab Boyle sich selbst nach einem Vorfahren. Boyles Vater war von Beruf Busfahrer, seine Mutter Sekretärin, beide katholisch.


Zum Buch:
Der Zusammenstoß Cándidos mit Delaney Mossbachers wachsgepflegtem Auto ist ein wortwörtlicher: Cándido, auf dem Weg zur Arbeit, rennt Delaney direkt vor die Haube und wird schwer verletzt. Da die Schuldfrage sich nicht klären läßt und der Mexikaner offenbar kein Englisch kann, drückt Delaney ihm eine 20-Dollar-Note in die Hand … Delaney sieht seine geschützte Welt zunehmend bedroht: Kojoten dringen in das Grundstück ein und töten die kleinen Hunde, dunkelhäutige, verdächtige Gestalten lungern herum, wo er seine Wanderungen macht. Jenseits der eleganten Villensiedlung, tief unten im Topanga Canyon, hausen Cándido und América wie die Tiere. Sie versuchen ihr Glück auf dem illegalen Sklavenmarkt – verfolgt von der Immigrantenpolizei, vom Hunger, von der Verachtung der Weißen, von der Bösartigkeit der eigenen Landsleute.

Erster Satz:

Im Nachhinein versuchte er, sich die Sache in abstrakten Begriffen zu erklären, als Unfall in einer unfallträchtigen Welt, als Kollission gegenläufiger Kräfte – seiner Stoßstange und der schmächtigen, geduckten, plötzlich hervorstechenenden Gestalt eines dunkelhäutigen Kerlchens mit gehetztem Blick -, aber allzugut gelang es ihm nicht.
T.C. Boyle // América // erste Seite

Ganz plötzlich, durch einen Zusammenstoß mit einem Mexikaner, einem illegalen Einwanderer, einem Mensch zweiter Klasse, ohne Rechte und ohne Sprachkenntnisse, beginnt Delaney Mossbacher’s Welt aus den Fugen zu geraten. Er gibt dem Mexikaner 20 Dollar und kehrt in sein Leben zurück. Doch fortan verfolgen ihn diese illegalen Einwanderer und Delaney fühlt sich zusehends bedroht in seiner Welt. Überall lauern plötzlich diese Wilden, sodaß er Angst um sich und seine Familie bekommt.

Gleichzeit lernen wir Cándido und seine Frau kennen. Ganz unten, am Rande des Systems fristen sie ihr Dasein und hegen bloß den einen Wunsch dazuzugehören, Arbeit zu haben und in einem richtigen Haus zu leben. Wie schwer ihnen dieses Leben und ihrem ungeborenen Kind gemacht wird und welche Gefahren überall lauern, wird nur allzu deutlich.

Abwechselnd erzählt T.C. Boyle aus beiden Blickwinkeln und macht damit klar, dass tatsächlich beide Seiten schwer zu tragen haben an dem zunehmenden Wachstum der illegalen Einwander aber zeitgleich auch darauf angewiesen sind. Manches wird mit Sicherheit überspitzt dargestellt, trotzdem kann man sich vor allem der Geschichte Caándidos und seiner Familie nicht entziehen. Man hofft bis zuletzt und ist sich trotzdem die ganze Zeit bewusst, dass es gar nicht gut ausgehen kann. Die Passagen um Delaney Mossbacher dagegen hätten ruhig um einiges kürzer ausfallen können.

Fazit:
Keine leicht Kost, sondern ein hochaktuelles Thema, das nachdenklich stimmt und erst einmal verdaut werden muss!

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